Einst war das Selberfangen – das „Tümpeln“ – unter Aquarianern weit verbreitet. Heute wird Lebendfutter gekauft und entwickelt sich mehr und mehr zur hochpreisigen Delikatesse. | von Uwe Dost

Lebende Futtertiere werden von allen Aquarienfischen gierig gefressen. Neben diversen Kleinkrebsen und Würmern sind vor allem Mückenlarven eine bedeutende Nahrungsquelle für viele Fische.

Rote Mückenlarven
Die Familie der Zuck-, Tanz- oder Schwarmmücken (Chironomidae), allesamt nicht stechend, zählt weltweit ungefähr 5.000, in Mitteleuropa rund 1.000 Arten, von denen in Deutschland bisher 570 nachgewiesen wurden (Wikipedia).
Zuckmückenlarven besiedeln alle Arten von Gewässern, man wird kaum eines finden, in dem nicht wenigstens eine Spezies lebt. Pro Quadratmeter Bodengrund wurden bis zu 3.000 ­Larven gezählt (Engelhardt 1986).
Trotz unterschiedlichster Lebensräume gleichen sich die Arten äußerlich sehr, was ihre Bestimmung nicht erleichtert. Die erwachsenen Mückenmännchen sammeln sich in Gewässernähe – meist zwischen Spätsommer und Frühjahr – in sehr großer Zahl zum Tanz, zur Paarung gesellen sich die Weibchen dann hinzu. Die dunk­-len Wolken der Mückenschwärme umfassen mitunter einige Millionen In­dividuen.

Invasive Grundeln haben die Artengemeinschaften in heimischen Gewässern gehörig ­durcheinandergebracht. Jetzt wissen wir mehr über das „Wie“. | von Jost Borcherding

Invasive Grundeln besiedeln inzwischen nicht nur weite Teile Europas, sondern sind auch bis nach Nordamerika vorgedrungen. Aktuell sind vier Grundelarten im Rhein bekannt: die Marmorgrundel (Prote­rorhinus semilunaris), die Schwarzmaulgrundel (Neogobius melanostomus), die Flussgrundel (N. fluviatilis) und die Kesslergrundel (Ponticola kessleri). Alle diese Arten stammen ursprünglich aus dem pontokaspischen Raum. Während die Marmorgrundel bereits 1999 im Rhein nachgewiesen wurde, wanderten die anderen Arten erst ab 2006 ein.

Aus der Gefangenschaftshaltung entwichene oder ausgesetzte exotische Flusskrebse richten in unseren natürlichen Gewässern großen Schaden an. Ihre Bestände müssen eingedämmt werden, und das Aussetzen weiterer Arten ist unbedingt zu verhindern. | von Jürgen Ott

Krebse sind interessant und schön, daran gibt es nichts zu deuteln. Wie sonst könnte man sich erklären, dass die Fangemeinde der Flusskrebse, Garnelen und Krabben aus der ganzen Welt permanent steigt und die Tiere in Gartenmärkten, Zoogeschäften und im Internet in einer beachtlichen Vielfalt und oft auch für kleines Geld angeboten werden?
Die Motivation der Halter ist dabei unterschiedlich. Während manche ­Arten wegen ihrer schnellen Vermehrung, so der parthenogenetische Marmorkrebs (Procambarus virginalis), als Futtertiere für Fische oder Schild­kröten gehalten werden, sind die verschiedenen Varianten des Amerikanischen Sumpfkrebses (P. clarkii) farbenfrohe Aquarientiere.

Arten kommen und gehen seit Anbeginn des Lebens auf der Erde. Weniger die Natur, sondern zunehmend der moderne Mensch beeinflusst heute deren Verbreitung, oft mit ­unvorhersehbaren Auswirkungen und ungewissem Ausgang. | von Uwe Dost

Auf Urlaubsreisen, aber auch nah vor der Haustür begegneten mir schon mehrfach Tier­arten (auf Mikroorganismen, Pilze und Pflanzen achte ich weniger), die ursprünglich aus anderen Gegenden oder sogar von anderen Erdteilen stammen (Dost 2013; 2014). Erst jüngst, im Oktober 2018, beobachtete ich bei einem Ausflug direkt vor dem Neanderthal Museum (Mettmann) in dem Flüsschen Düssel etliche Signalkrebse (Pacifastacus leniusculus).
Wie sind solche Neuankömmlinge zu bewerten? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Sie betrifft zwar nicht nur Vivarianer und Biologen, doch beschränke ich mich hier auf ­deren Belange.

Am 1. Januar 2015 trat die Verordnung 1143/2014 der Europäischen Union in Kraft. Das Dokument trägt den unverständlichen Titel „Prävention und Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“. Und es bringt etliche Einschränkungen, auch für Gartenteichbesitzer, Aquarianer und Terrarianer. | von Hans-Peter Ziemek

Im Juni 1992 trafen sich in Rio de Janeiro 20.000 Menschen, dar­unter fast alle Politikerinnen und Politiker, die damals Verantwortung trugen. Dieser „Erdgipfel“ beschäftigte sich mit der Zukunft der Erde und bestimmt unser Leben noch heute. Damals wurden die erste Klimakonven­tion verabschiedet, die Agenda 21 auf den Weg gebracht und die Biodiversitätskonvention von fast allen Ländern der Erde unterzeichnet.
Diese Vereinbarung ist heute die Grundlage jeder Maßnahme zum Erhalt der Artenvielfalt, lokal wie global. Die Dekade von 2011 bis 2020 ist dabei ein Höhepunkt der Weiterentwicklung der Biodiversitätskonvention. Bis zum Jahr 2020 sollen möglichst alle Ge­fahren für die Artenvielfalt zumin­dest identifiziert sein. Außerdem sollen die notwendigen rechtlichen Regelungen getroffen sein, um einen weiteren Verlust von Biodiversität zu verhindern.
Klingt alles sehr theoretisch, ist es auch. Aber die Konvention ist die notwendige Grundlage, um in einer Kommune oder in einem Schutzgebiet, ob in Deutschland oder in Indonesien, Gefahren für die dort vorkommenden Organismen und Lebensgemeinschaften abwehren zu können.