Von Ingrid Noll, Roman. 336 Seiten, Hardcover (Leinen). Verlag Diogenes, Zürich, 2012. ISBN 9783257068320, 21,90 €

Jörg W. Gronius ist ein echter Berliner, den es irgendwann nach Saarbrücken verschlagen hat. Und da Saarbrücken, nicht anders als Berlin, doch weit entfernt ist von Meer und Wasser, braucht es schon einige Fantasie, um sich vorzustellen, wie es an der Küste wohl zugehen mag.

Genau diese Fantasie ist es, die Gronius zu geradezu aberwitzigen literarischen Pirouetten antreibt. Es ist der einzige und große Traum einer jungen Frau, endlich am Wasser zu wohnen. „Sie arbeitete, gönnte sich nichts, legte jeden Cent auf die hohe Kante.“ Aber der Traum bleibt ein Traum. Dann „hatte sie sich an einen Typen gehängt, der an der Börse herummachte … und eines schönen Tages war es dann soweit ... Wir haben unser Haus.“ Ein extravagantes Paar ist es, in Weiß gekleidet, gegessen wird farblich passend: „Weißfisch oder Weißkohlsalat mit Weißbrot ... und natürlich Weißwein“. Der Erzähler verliert das Paar aus den Augen, trifft den Mann viel später in einem Café wieder, und der erzählt die unglaubliche Geschichte von bedrohlich sich auftürmenden Wassermassen und seltsamen Gestalten, die sich aus dem Meer erhoben hätten und auf das Haus zugekommen seien. Gruselig.

Von Andre Luty. 186 Seiten, Paperback, Verlag Pro Business, Berlin, 2013. Zahlreiche farbige Abbildungen. ISBN 978-3-86386-478-1. 35,90 €

 

Seit Mai 2010 bin ich kein Meeresaquarianer mehr. So zögerte ich zunächst, als die DATZ-Redaktion mich bat, ein Buch über Doktorfische zu rezensieren – vielleicht eine beeindruckende Monografie, vergleichbar mit Schneidewinds „Kaiser- und Drückerfischen“? Nun, wir werden sehen. Die sieben Kapitel enthalten 21 Unterkapitel zu allen Themen, die für den an der Doktorfischpflege Interessierten wichtig sein könnten. Leider fehlt ein Stichwortverzeichnis, obwohl zwei Seiten zur Verfügung gestanden hätten. Das Buch teilt sich in drei Abschnitte: die Pflegebeschreibung von rund 45 Arten, die Haltung im Aquarium und einen populärwissenschaftlichen Teil, der mir überflüssig scheint, da vieles in den übrigen Kapiteln bereits behandelt ist. Den Rest hätte man dort unterhaltsam und pfiffig mit einbeziehen können. Überhaupt ist der Text langatmig, und die wirklich interessanten Passagen gehen oft in unnötiger Ausführlichkeit verloren. Die Sätze zur Aquarienpflege und die Artbeschreibungen sind eine Zusammenfassung von bereits seit Jahrzehnten Bekanntem und Bewährtem.

Ein Ostfriesen-Krimi. Von Levke Winter, Roman. 320 Seiten, gebunden, Piper Verlag, München, 2013. ISBN 9783492303156. 9,99 €

Ganz oben, im Land von Krabben, Kuttern und Kandis, spielt diese amüsante Krimi-Komödie. Levke Winter, die selbst in Ostfriesland lebt, hat manches Charakteristische aus dem flachen Land, über dem der Himmel so hoch ist, gut getroffen, die gut 300 Seiten ihres Erstlingswerks lesen sich munter und flott, bieten viel Schlagfertiges, Komisches, Pointiertes. Ernst nehmen darf man das alles nicht immer. Und liegt auch lange alles Geschehen im Dunkel, wird spekuliert, was das Zeug hält, gemutmaßt und befürchtet – so kommt spät, aber dann doch endlich die „Butter bei die Fische“.

Eine Frau, offenbar verwirrt, meldet im Polizeirevier, ihre Tochter sei verschwunden. Immer wieder redet sie von einem „buckligen Männlein“. Zu Bärbels Familie gehören ihre Schwester Gitta, die verschwundene Steffi, der jüngere Boris (beides Bärbels Kinder) und Oma Inse sowie der bettlägerige Opa Bartels. Spuren gibt es wenige, Motive schon mehr, nur: Beweise sind Mangelware. Da sind Verbindungen zum Betrei- ber einer Biogasanlage, „perfekt, um ein Mordopfer verschwinden zu lassen“.

Von Mark Kurlansky und Frank Stockton. 208 Seiten, laminierter Pappband, Boje Verlag,
Köln, 2013. ISBN 9783414823670. 14,99 €

Bewusstsein schärfen, den Zusammenhang von Dingen erkennen, damit kann man nicht früh genug beginnen: Immer mehr, aufwendiger, über immer größere Distanzen und die Umwelt zerstörend wird in den Weltmeeren gefischt, immer weiter fahren die Fangboote hinaus, immer globaler entwickelt sich die Fischindustrie. In 30 bis 40 Jahren, so prophezeien Wissenschaftler, werden die meisten Arten – schon heute stehen viele vor dem Aussterben – nicht mehr in der Lage sein, sich davon zu erholen. Stirbt aber die Vielfalt, dann ist das etwa so, als stupste man eine lange Reihe von Dominosteinen an: Eine Kettenreaktion wird folgen. Es werden Seevögel sterben, die sich von Fischen ernähren, es wird keine Delphine oder Roten Thunfische mehr geben. „Würde es all die Tiere, die Plankton fressen, nicht mehr geben, würde diese Masse immer größer werden, die Meere regelrecht verstopfen und ganz anders färben, vermutlich pink oder orange.“ Quallen werden die „Herrschaft über die Weltmeere“ übernehmen. An Land sterben all jene Tiere, die vom Fischabfall der Vögel leben, einmal ganz abgesehen von Fischern ohne Arbeit, Küstenorten ohne Fischerei. Um dies alles verstehen und einordnen zu können, führt Mark Kurlansky, der für seine Kinder- und Jugendbücher schon viele Preise erhielt, gemeinsam mit dem Illustrator Frank Stockton mit Comics, Fotos und einer plakativen, sehr ansprechenden Illustration und einem frechen Layout in mehreren Kapiteln durch ein nicht unproblematisches Thema.

Von Peter Finke und Martin Hallmann. 200 Seiten, Hardcover. Aqualog Verlag, Rodgau-
Weiskirchen, 2013. 207 Farbfotos. ISBN 978-3-939759-27-0. 29,80 €

Martin Luther wird das Zitat zugesprochen: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Seither wird gern in scheinbar hoffnungslosen Situationen die Losung ausgegeben: „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen!“ Analog hierzu möchte man den Aquarianern der Welt zurufen: „So lasst uns denn ein Paro-Becken aufstellen!“ Denn es ist, so scheint es wenigstens, ein fast aussichtsloses Unterfangen, die endgültige Zerstörung der Lebensräume der Prachtguramis (Gattung Parosphromenus) und damit ihr Aussterben auf unserem Planeten noch aufzuhalten. Und doch … Peter Finke und Martin Hallmann, zwei Spezialisten auf dem Gebiet der Prachtguramis oder Paros, wie sie international auch einfach genannt werden, haben prachtvollen Fischen ein prächtiges Buch gewidmet. Es umfasst 200 Seiten, ist durchgehend farbig bebildert mit exzellenten Fotos, gedruckt auf edlem, mattem, schwerem Papier. Die ersten 40 Seiten widmen sich ausführlich der Situation der Paros in der Natur, erklären klug und sachlich, warum diese Geschöpfe so akut bedroht sind, sagen aber auch, was jeder einzelne tun kann, um vielleicht doch noch das Schlimmste zu verhindern.